Herbert Giese
Ausstellung mux/seibetseder/franke 1. Juni 2004
Die Rolle des Künstlers in unserer von Profit und Nützlichkeit bestimmten Welt wird immer prekärer. Was er produziert, dringt nur mehr selten dorthin, wohin es zu dringen geplant ist: in der Herzen und Bäuche der Menschen.
Es wird immer schwerer, das eigentliche Ziel der Kunst, das Außerrationale, Mythische, Gefühlte zu erreichen. Rechenstift und Reglementierungen jeglicher Art, die permanente Überflutung alle Sinne ansprechender Botschaften überfordern auch die Wagemutigsten unter denen, die guter Absicht sind. Es fehlt die Zeit und es fehlt die Kraft, den Künstlern die notwendige Aufmerksamkeit zu widmen. Eine Aufmerksamkeit, die bei dem stürmischen Fortschreiten der Kunst umso mehr am Platz wäre.
Die Kunst im allgemeinen wie die bildende Kunst im speziellen ist Ausgleich und Gegengewicht zur Welt der Zahlmeister und Logiker. Sie sensibilisiert für all das, was außerhalb des Denk- und Nachvollziehbaren zuhause ist. Sie ist für die Emotion zuständig und für die Urkräfte, für das Sein vor der Erkenntnis und nach oder besser hinter der Ratio.
Was hier, in dieser Ausstellung, zu sehen ist, die Arbeiten von mux, Seibetseder und Franke, all das baut an der so dringend notwendigen Gegenwelt. Eine Welt, die nicht messbar ist oder wägbar, und die deshalb oftmals schwer verstehbar erscheint. Auch deshalb schwer verstehbar, weil sie eine neue Welt ist, eine bis dato nicht gekannte. Hier gibt es noch wenige Sehgewohnheiten, an der sich das Antwort suchende Auge ausruhen kann, hier ist vieles ungewiss und offen.
Hier wird – in unterschiedlicher Graduierung – entlang der Natur und neue ‚Naturen’ schaffend, an neuen Seins-Bildern gearbeitet. Bildnerische Lösungen, die zum künftigen Repertoire unserer Sehmöglichkeiten beitragen. Das ist schwere Arbeit, die wir alle unterstützen sollten.
Denn das Schöpferische besteht ganz besonders in diesem „Neue Naturen Schaffen“, ein Unterfangen, das Lebendigkeit und wahren Fortschritt bedeutet.
Künstler sein heißt auch Seher sein. Hineinschauen in eine Zukunft und gleichzeitig diese Zukunft gestalten und ausformulieren.
Wir Nicht-Künstler sollten davor Hochachtung haben. Es ist ein schwerer, mühseliger Job, der hier getan wird; von einigen wenigen für uns alle.
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